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Vereinsgeschichte

Den Boden für die Gründung des „Turnvereins Cottbus 1861 e.V.“ bereiteten die Ideen von Turnvater Friedrich Ludwig Jahn (1778–1852) und das überregionale deutsche Turnfest in Coburg 1860. Den Samen aber steckte der Berliner Arzt und Oberturnwart Dr. Angerstein. Auf seine Initiative hin richteten der Stadtrat G. Bricks und die Kaufleute Carl Lehmann-Nies sowie Hermann Hofmann einen Aufruf an die Cottbuser Bevölkerung. Am 15. Mai 1861 wurde der bürgerliche Turnverein gegründet, erster Vorsitzender war der Gymnasiallehrer Dr. Behm. Spontan schrieben sich 138 Bürger als Mitglieder ein (Einwohnerzahl der Stadt: 11 000). Von nun an galt auch für sie das Jahnsche Motto: Frisch-Fromm-Fröhlich-Frei. Die klassischen Geräte hießen Barren, Seitpferd, Reck und Ringe. Das Vereinsleben wurde ergänzt durch Singen und Volkstanz. Lina Hoffmann sowie die Goldschmiedetöchter Franziska und Marianne Sack stickten die Vereinsfahne.


Die Riege des TVC im Jahr 1925

Die Resonanz in der Bevölkerung war riesig. Der „Anzeiger für Cottbus und Umgebung“ vom 10. Juli 1861 führte Klage über zu viele Schaulustige zu den Übungsstunden: „… durch maßloses Andrängen der Zuschauer bei den Übungen des Männer-Turnvereins“ seien „mehrfache Störungen vorgekommen“. Bereits am 4. August 1861 fand das erste Cottbuser Turnfest statt. Zwei Wochen später nahm eine Cottbuser Delegation am allgemeinen deutschen Turnfest in Berlin teil.
Weil der Magistrat von Cottbus nicht in der Lage war, ein funktionierendes Feuerlöschwesen aufzubauen, gründete sich 1863 eine Turnerfeuerwehr. Die ungeliebte Partnerschaft dauerte bis 1878. Mittelschulrektor Benno Hüttig, der „Turnvater von Cottbus“ rückte das Turnen wieder in den Vordergrund. Auf seine Anregung hin entstand 1876 der Gauverband Westlausitz. 1890 gab es das 1. Kreisturnfest. Eine Alte Herren-Gruppe spaltete sich ab und gründete den „Turnverein Friesen 1893“ (CSC Friesen). Schillernde Leitfigur des neuen Vereins war Karl Friedrich Friesen, Mitbegründer der deutschen Turnbewegung.

Um die Jahrhundertwende bildeten sich weitere Sportvereine. Der „TVC 1861“ reagierte auf die Herausforderung mit einer Spielabteilung für Faustball und Handball. Zwischen 1914 und 1929 kamen Leichtathletik, Schwimmen, Fechten, Hockey, Schlagball, Trommelball, Skilauf, Wasserfahren (Paddeln) und Tennis hinzu. Übungsstätten waren die Zentralhalle an der Turnstraße, die Turnhallen der Oberreal- und der Augusta-Schule sowie der vereinseigene Sportplatz an der Dresdener Straße/Hermann-Löns-Straße. Zu den Vereinslokalen zählten das „Hotel Kaiseradler“ in der Bahnhofstraße und „Beichers Bierstuben“ in der Mühlenstraße.
Das sportliche Niveau stieg kontinuierlich. Man beteiligte sich erfolgreich an Kreis-, Gau- und Deutschen Turnfesten.
1901 drangen die Frauen in die Männerdomäne ein. Ab sofort gab es „Turnschwestern“ und „Turnbrüder“. Im Jahr 1912 erweiterte sich der Verein um eine Kinderabteilung. Die Vereinsbekleidung bestand aus schwarzer Hose und ärmellosem weißem Hemd, darauf in Brusthöhe das Emblem „TC“. Später wurde die weinrote Hose das TVC-Markenzeichen. Der Turngruß lautete „Gut Heil“.


Vereinsbild von 1925

Der 1.Weltkrieg brachte herbe Einschnitte ins Vereinsleben. 56 Tote aus den eigenen Reihen und viele Kriegsversehrte waren zu beklagen. Ganz allmählich kam der Übungs- und Wettkampfbetrieb nach 1918 wieder auf Touren. Die höchste Mitgliederzahl erreichte man 1928/29 mit 1 800. Ab 1930 gab es eine Vereinszeitung „Unser Turner“. In der Weltwirtschaftskrise von 1931/32 durchschritt der „Turnverein Cottbus 1861“ eine Talsohle. Der folgende Aufschwung geriet unter die Räder des Nationalsozialismus. Bereits 1933 musste die Vereinssatzung geändert werden, u. a. durch die Aufnahme des „Wehrturnens“ und des Arierparagraphen. Letzterer verbot die Mitgliedschaft von Juden. 1935 wurde die Dachorganisation Deutsche Turnerschaft aufgelöst, die Vereine unterstellte man dem Deutschen Reichsbund für Leibesübungen. Ab 1936 galt die Anrede „Kamerad“ und „Kameradin“. Die Turnkleidung zierten Nazisymbole. Die Vereinszeitung hatte sich „Cottbuser Turner“ zu nennen. Der Turnergruß wurde verboten.
Das 75-jährige Vereinsjubiläum, es fiel mit den Olympischen Spielen in Berlin zusammen, würdigte die Stadt mit einer Festveranstaltung am 16. Mai 1936 im Stadttheater, einem Festumzug und diversen Sportveranstaltungen (Turnen, Staffelläufe, Leichtathletik).


Gedenkstein für die im 1. Weltkrieg gefallenen Mitglieder des TVC

In der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) hatte der „TVC“ folgende Sektionen: Turnen, Handball, Fußball, Faustball, Trommelball, Schwimmen, Boxen, Fechten, Tennis, Skilauf und Hockey.
1938 stand der Zusammenschluss von „TVC 1861“ und „CSC Friesen 1893“ unter dem Namen „Turn- und Sportverein Friesen-Cottbus 1861 e. V.“ auf der Tagesordnung. Der Plan der Leitung scheiterte am Mehrheitswillen der Mitglieder.
Mit Kriegsausbruch stellte sich auch beim „TVC“ Siegeseuphorie ein, die allerdings schnell verflog. Wehrmacht, Arbeitsdienst, Hilfsdienste und Jugendorganisationen schlugen dem Verein schmerzhafte Wunden. 1941 musste die Zeitung ihr Erscheinen einstellen. Bis 1944 konnte das Vereinsleben mühsam aufrechterhalten werden. Viele Mitglieder fielen. Die beiden letzten öffentlichen Sportereignisse waren ein Staffellauf quer durch Cottbus – der „TVC“ konnte nur noch Frauen schicken – und das Kreis- Turn- und Sportfest am 13. August 1944.

Nach 1945 wurde die Sportbewegung grundlegend erneuert. Die Hauptzielrichtung hieß Anbindung an sozialistische Betriebe, Behörden und Organisationen. Der „Turnverein Cottbus 1861“ hörte auf zu existieren, die Ehemaligen organisierten sich in anderen Vereinen, z. B. der „BSG Lokomotive Cottbus“.

Erst der Untergang der DDR ermöglichte eine Rückbesinnung auf bürgerliche Traditionen. So schlossen sich die Turnabteilungen von Lok Cottbus und der Hochschulsportgemeinschaft (HSG) am 1. Januar 1992 zum „Turnverein Cottbus 1861 e. V.“ zusammen. Am 22. Januar 1992 konnte eine eigene Satzung vorgestellt werden. Zum 1. Vorsitzender wurde der Diplomsportlehrer Reinhardt Wasiewicz gewählt. Ihm folgte ab 1995 der Diplombauingenieur Michael Sadlo.
Seit 2002 leitet der rührige Diplomsportlehrer Bernd Schädel die Geschicke des Vereins. Von 1977 bis 1990 Turntrainer beim Bezirkstrainingszentrum (BTZ) Cottbus, ist er seit 1992 als Regionalkoordinator Breitensport des Landessportbundes Brandenburg für den Südbereich tätig. Ihm vor allem ist es zu verdanken, dass der „TVC“ heute zu den aktivsten Sportgemeinschaften der neuen Bundesländer gehört und auch darüber hinaus wahrgenommen wird. Stellvertreter des Vorsitzenden ist Michael Belgern. Die verdienstvolle Leiterin der DTB-Turntalentschule des „SC Cottbus Turnen e. V.“, Kerstin Kießling, versieht das Amt der Jugendleiterin, als Frauenwart fungiert Martina Lehmann.


Kinder und Betreuer der DTB-Turntalentschule Cottbus

Das Hauptanliegen des Vereins besteht in einem sinnvollen Freizeitangebot für Menschen beiderlei Geschlechts und aller Altersklassen in den Sportarten Gerätturnen, Gymnastik, Trampolinturnen und Volleyball. Die Gesamtmitgliederzahl beträgt heute 172, wovon 156 aktiv Sport treiben. Das schöne Geschlecht dominiert (125 Mitglieder). Im Altersbereich zwischen 7 und 18 Jahren sind 54 Kinder und Jugendliche eingeschrieben. Damit stößt der Verein an seine finanziellen Grenzen. Beiträge, Sponsorenleistungen und staatliche Zuwendungen fließen leider nicht üppig.
Flaggschiff des Vereins ist zweifellos die Turnabteilung. 2009 qualifizierten sich die Turnerinnen des „TVC“ für die bundesweite Regionalliga. Bis dahin agierte man in der Berlin-Brandenburg Liga. Leistungsträgerinnen sind Sarah Fitz, Anne-Julia Neumann, Lisa Grimmling, Laurids Belle, Lilly Müller, Andrea Schröder sowie die zur Startgemeinschaft gehörenden Isabelle Kühn (KSC Strausberg) und Jennifer Kipping (USV Potsdam). Das hohe Niveau im Frauenturnen und im Team Gym belegen hervorragende Plätze beim Deutschland-Cup, bei Deutschen Meisterschaften (2009 Deutscher Mannschaftsmeister in der KM II), bei Internationalen deutschen Turnfesten (Sarah Fitz und Lilly Müller wurden 2009 hinter dem dänischen Team Deutsche Meister). Die Gymnastikgruppe nahm 1994 am Grand Prix, am Deutschen Turnfest in Hamburg, 2009 am Internationalen Bayern Open teil und bereitete sich 2010 auf die Europameisterschaft in Schweden vor.

Aber auch die Männerriege steht kaum nach. Martin Koßagk (AK 17) siegte beim Deutschen Turn- und Sportfest 2002. Am meisten profitiert der Verein allerdings von den Altersturnern der ehemaligen HSG. Spitzenathlet ist dabei Werner Hanke, die Liste seiner Erfolge ist lang. 2000 wurde er Deutscher Seniorenmeister, 2009 holte er die Bronzemedaille. Bei der Bestenermittlung des Turnbezirks Lausitz im Jahr 2004 belegte er gemeinsam mit Peter Grunke aus Lauchhammer den 1. Platz. In der AK über 70 gewann der TVC-Sportler 2010 die 15. Internationale Seniorengala in Markkleeberg. Aber auch als Mannschaft glänzen die Cottbuser. 2004 eroberten Werner Hanke, Helmut Wetzel, Dr. Günter Scheffler und Hans-Jürgen Nitzschke den Titel bei der Deutschen Senioren-Mannschaftsmeisterschaft im nordrhein-westfälischen Ibbenbüren. Die Cottbuser schlugen mit Leipzig sogar die Mannschaft, in der Olympiasieger Klaus Köste turnte. Erfolge feiert man regelmäßig auch bei den Brandenburgischen und Internationalen Seniorenmeisterschaften. Schon zu sozialistischen Zeiten gewann die seit 30 Jahren verschworene Cottbuser Truppe mehrfach Mannschaftsgold bei DDR-Meisterschaften um den FDGB-Pokal. Ein Höhepunkt im Wettkampfkalender ist die jährliche Teilnahme am Jahnturnfest in Freyburg/Unstrut. Neben den Spitzen gehören zu den bewährten Seniorinnen und Senioren Renate Scharnhorst, Birgit Hetzke, Bettina Frost, Helmut Jänchen und Herbert Niedrig.


Die Übungsleiter des TV 1861 Cottbus

Unter der Gesamtleitung von Helmut Wetzel findet in Cottbus regelmäßig ein Turnermemorial statt. Es ist dem Andenken von Erich Riedeberger, 1. DDR-Verbandspräsident, gewidmet. Besonders spannend ging es bei der 18. Auflage im Jahr 2002 zu. 128 Frauen und Männer aus 31 Vereinen stritten um den Pokal des Oberbürgermeisters, beim 15. Memorial kämpfte man um den Gustav-Schuft-Pokal (1. deutscher Turnolympiasieger und berühmtestes Vereinsmitglied). Gern gesehene Gäste in Cottbus waren die beiden „Alterspräsidenten“ des Lausitzer Turnsports, Paul Görlitz (85) aus Luckau und Hans Fischer (75) aus Lauchhammer. Ronny Ziesmar urteilte: „Ist ja irre, was die in diesem Alter noch so alles können.“
Wesentlich zu den Erfolgen tragen die selbstlosen ehrenamtlichen Übungsleiter des TVC bei. Zu ihnen gehören Kerstin und Nadine Kießling, Andrea Jursch, Daniela Neumann, Marlit Mogritz, Irina Filenberg, Martina Lehmann, Bernd Schädel und Helmut Wetzel. Viele Jahre war Werner Hanke als Übungsleiter im Nachwuchsbereich des SCC tätig, zu dem der TVC eine enge Partnerschaft pflegt. Das betrifft die Delegierung von Talenten (Turnen/Trampolin), die Übernahme ehemaliger Leistungssportler (z. B. Oliver Stephan) sowie die Durchführung von Veranstaltungen (Turnier der Meister, GWG-Cup). Die spektakulärste Volkssportaktion ist zweifellos das Weihnachtsturnen. Spitzenathleten turnen neben dem Nachwuchs, der Spaß überwiegt. 1997 erschienen 400 Zuschauer. Spitzenathleten turnen neben dem Nachwuchs. Ex-Weltmeister Sylvio Kroll sah dem Auftritt von Tochter Lisa und Sohn Lukas erwartungsvoll zu. Nach der abgeschlossenen Hallensanierung im Sportzentrum setzt die Turngemeinde auf die Fortsetzung dieser schönen Tradition.

TV 1861 Cottbus e.V.